Homöopathie im Vergleich
Die Homöopathie ist eine eigenständige Therapie, die sich als Alternative zur Schulmedizin und zur Naturheilkunde versteht. Alle Bemühungen um kranke Menschen lassen sich in vier Kategorien unterteilen:
- Elimination = Beseitigung von Krankem
- Substitution = Ersatz von Fehlendem und Krankem
- Direktion = Lenkung
- Stimulation = Setzen therapeutischer Reize (auch: Reiz-Reaktionsprinzip)
Die ersten drei therapeutischen Prinzipien sind das Feld der Schulmedizinz.B. Antibiotika, entfernende Chirurgie (Elimination), Vitamin-, Hormonsubstitution, Prothetik (Substitution), pharmakologische Beeinflussung von Körperfunktionen (Direktion). Das Prinzip Stimulation wird in der Schulmedizin eher selten genutzt.
In der Naturheilkunde werden die Prinzipien Elimination, Substitution und direktion ebenfalls verwendet. Beispielsweise versucht man bei einer Fastenkur und anderen Ausleitungsverfahren so genannte "Schlacken" aus dem körper zu beseitigen (Elimination), und die Pflanzenheilkunde ersetzt nicht nur fehlende Stoffe (z.B. Algen als natürlicher Ersatz von Spurenelementen), sondern reguliert auch Körperfunktionen (z.B. Soya oder Keuschlamm bei menopausalen Beschwerden). Viele Massnahmen werden aber vor allem als heilsamer Reiz eingesetzt. Beispiel Kneipptherapie - durch kalte Güsse wird der Mangel an Wärme ausgeglichen, d.h. die körpereigene Wärmeproduktion angeregt.
Auch in Psychiatrie und Psychotherapiewerden diese Prinzipien angewandt – z.B. könnte man die Gabe von Psychopharmaka unter Substitution bzw. Direktion einordnen, während viele Verfahren der Psychotherapie das Prinzip Stimulation nutzen – mit dem Ziel, beim Patienten einen eigenen Lern- und Entwicklungsprozess auszulösen.
In der Homöopathieverwenden wir vor allem das Prinzip Stimulation, obwohl auch die anderen Prinzipien eine gewisse Rolle spielen. Beispielsweise beraten auch Homöopathen ihre Patienten wie sie gesund leben können (Elimination von möglichen Krankheitsursachen). In Fällen in denen der Organismus zu schwach ist um zu reagieren, werden homöopathische Mittel unter anderem auch als Schmerzmittel verwendet (beispielsweise im Spätstadium von Krebs).
Die Lebenskraft
Während Elimination, Substitution und Direktion den Organismus eher passiv bleiben lässt, provoziert bei der Stimulation ein Reiz die heilende Reaktion des Organismus. Diese Fähigkeit des Organismus zu einer solche Reaktion nannte Hahnemann Lebenskraft (Dynamis).
„Im gesunden Zustande des Menschen waltet die geistartige, als Dynamis den materiellen Körper belebende Lebenskraft unumschränkt und hält alle seine Theile in bewundernswürdig harmonischem Lebensgange in Gefühlen und Thätigkeiten, so daß unser inwohnende, vernünftige Geist sich dieses lebendigen, gesunden Werkzeugs frei zu dem höhern Zwecke unsers Daseins bedienen kann.“
(Samuel Hahnemann, Organon der Heilkunst, 6. Aufl., § 9.)
Das Konzept der Lebenskraft wird jedoch keinesfalls exklusiv in der Homöopathie verwendet. Schon Paracelsus sprach vom „inwendig Arzt“. In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird sie z.B. „Chi“ genannt, und selbst in der Schulmedizin spricht man heute von den "Selbstheilungskräften" des Organismus.
Grenzen
Dieses Konzept der Lebenskraft setzt zugleich auch die Grenze der Anwendbarkeit aller Therapieverfahren, die auf dem Prinzip Reiz-Reaktion beruhen: nur wenn der Körper noch in der Lage ist zu reagieren, ist ihr Einsatz sinnvoll. Zum Beispiel muss in Beinbruch chirurgisch versorgt werden oder bei bestimmten Formen von Diabetes Insulin gegeben werden.
Gleichzeitig muss ein Reiz, damit er wirksam ist, auf die innere und äussere Situation des komplexen Systems „Mensch“ zugeschnitten, also gleichzeitig ähnlich und individuell sein. Was in einem Fall hilft, kann in einem anderen Fall völlig unwirksam, manchmal auch schädlich sein.
Auch die Dosierung des Reizes spielt eine wichtige Rolle – der Holzhammer schadet in der Regel! Minimale Reize sind es, die zum Erfolg führen.
Eine Therapie mit individuell gewählten, dem Patienten und seiner Krankheit ähnlichen Mitteln, die kleine und kleinste Reize setzt, ist per definitionem die Homöopathie.
